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Orgel, jeder weitere Gedanke kann vom Hörer geführt werden. Aber in jedem Fall hat sich bei dem Konzert gezeigt das die Musik die die Truppe bringt bestimmt nicht die hunderste Kopie von irgendeiner Band oder eines gewissen Musikstils ist. Geführt wurde das Interview Ende Januar in der Augsburger (ja, ja Pupenkiste, das hättet ihr wohl gern) Kreßlemühle.

TRUST: Gebt uns erstmal die Story, wie ihr zusammengekommen seid und so.

CAROLINE: (entsetzt) Von Anfang an?? Fangen wir am besten da an wo Andreas dazugekommen ist. Wir hatten früher einen anderen Schlagzeuger und auch ne Gitarre dabei, nach der England Tour haben wir uns dann ziemlich verstritten, also das hat sich schon vorher angekündigt das es nicht mehr lange gut weitergehen würde, dann ist er ausgestiegen. Wir haben es eben ohne Gitarre probiert und zwar war das deshalb weil wir ein Konzert ausgemacht hatten und darauf haben wir dann eben gearbeitet, es hat uns eigentlich ganz gut gefallen ohne Gitarre. Dann ist der Mike dazugekommen, der Schlagzeuger, das war so um 90, Andreas ist so gegen 87 dazugekommen.

ANDREAS: Man kann auf jeden Fall sagen, das wir in der Zeit als wir den Gitarristen hatten musikalisch ziemlich ziellos waren, sag ich jetzt mal. Es war nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht gut, eben so lala. Dann hat es sich so ergeben das der Gitarrist ausgestiegen ist. Auf der Englend Tour haben wir auf einem Festival in Barth zusammen mit einer Band gespielt die nur 'mosh' spielte. Das war wirklich was neues, eine Band die nur brechend langsam spielte. Dann waren wir eben in der Situation das wir ein Konzert in der Metzdstr. in Hannau hatten, wir hatten keinen Bock das Konzert ausfallen zu lassen (weil sie keinen Gitarristen hatten) und haben dann einfach alles um die Hälfte langsamer gespielt. Wie haben die Lieder ein bisschen umarrangiert und haben einfach diesen 'Moshrhytmus' übernommen. Es gab Lieder auf unserem Demo die waren früher doppelt so schnell, die kann man sich direkt anhören.

TRUST: Es war also nicht so das ihr euch zusammengefunden habt um die Art von Musik zu machen die ihr heute macht. Kann man sagen das ganze ist natürlich gewachsen.

ANDREAS: Man kann sagen das es in gewisser Hinsicht ein harter Kampf um Anerkennung war, besonders am Anfang da wurden wir schon des öfteren belächelt...

TRUST: ...mein Problem bei euch ist; das wenn ihr auf Tour geht oder irgendwo spielt und keinen eigenen Mischer dabei habt. Wenn ihr dann eben den PA-Mischer habt und er euch dann den Bass und die Orgel zusammenmischt, das wird dann nämlich ein tierischer Brei. Ich hab das bei euch einmal selbst live miterlebt, das war ein ziemlich dumpfes Gepansche. Deshalb jetzt die Frage ob ihr euch nach einem eigenen Mischer umschaut oder ist das kein Problem für euch?

ANDREAS: Das war auch ein Problem, aber in letzter Zeit hatten wir eigentlich gute Erfahrungen mit den Mischern...

CAROLINE: Meistens ist es halt so das einer von uns mit dem Mischer spricht, wie wir uns den Sound vorstellen.

ANDREAS: Es ist eben oft so das die Mischer nicht das Verhältnis zu unserer Mussik haben wie wir selbst. Es ist eben so das Bass und Orgel gleich laut sein müssen, das ist eigentlich das wichtigste an dem ganzen, der Bass muß wirklich fett sein. Oft machen die Mischer den Bass zu sauber, das er praktisch ganz clean die Orgel unterstützt - das wollen wir nicht. Der Bass sollte schon ein Kontrast zur Orgel sein.

TRUST: Wie schätzt ihr denn eure Chancen mit der Art von Musik ein, grade auch im Bezug zu Auftrittsmöglichkeiten, könnt ihr da andere 'Szenen' erreichen?

ANDREAS: Wir kommen am besten beim Hardcore Publikum an. Denn vielen Punks ist es zu kompliziert, den Hippies zu hart. Viele Leute aus der Hardcore-Szene sind offen für sowas und sind positiv überrascht. Die sagen das ist prima, eigenständig und einfach was orginelles, deshalb hören sie sich's an.

TRUST: Habt ihr euch von diesen verschiedenen Szenen bewußt beeinflußen lassen oder war das mehr so das ihr es aus dem Bauch gespielt habt.

CAROLINE: Also ich finde schon das es eher aus dem Bauch kommt, Andreas bringt dann öfter so überlegte Ideen rein. Weil er halt auch viel mehr vom Harcore beeinflußt ist. Bevor er dazukam hab ich das ja überhaupt nicht gehört, da hatte ich überhaupt keinen Bezug dazu.

TRUST: Wo kommst du dann her, wenn man das mal so fragen kann.

CAROLINE: Ich würde mich eigendlich nicht speziell einordnen, wir haben einfach irgendwas gemacht.

ANDREAS: Ich denke das sich das auch durch den Altersunterschied ergeben hat. Caroline und Erich sind schon nochmal ein Stück älter als Mike und ich (Caroline ist 30, Andreas 23). Sie waren schon immer neuen Musiken gegenüber aufgeschlossen, sie haben ihre Hardrock, Hippie Sachen genauso gehört wie Punk Sachen. Ich glaube das sich auch aus so einem Spannungsfeld viel ergeben hat, wir mußten uns ja nicht zusammenraufen, haben uns auch schon oft über die Musik gestritten.

TRUST: Das waren aber keine bewußten Prozesse?

ANDREAS: Es ist schon so das ich mir seit so zwei Jahren schon stark Gedanken drüber mache, auch über so Sachen wie Rockmusik und Identität. Denn Rockmusik oder Musik überhaupt muß meiner Ansicht nach autenthisch sein. Des hört sich jetzt intelektuell an, aber autenthisch ist für mich ein besseres Wort als ehrlich. Authentisch heisst halt echt. Deshalb muß man sich auch Gedanken machen um wirklich gute, das ist für mich aktuelle und orginelle, Musik zu machen. Man muß sich einfach Gedanken machen woher man kommt und wohin man will. Was ich an der europäischen Hardcore Szene überhaupt vermisse ist das sich die Leute darüber klar werden woher sie kommen. Es ist so, wir mögen die und die Bands also machen wir die Musik, und wenn man dann Glück hat ist man auf der Höhe der Zeit, also macht man genau in dem Moment die Musik die aktuell ist. So war's vielleicht vor drei Jahren mit Hardcore, als da ne deutsche Band Hardcore ala Dag Nasty gemacht hat dann waren sie auf der Höhe der Zeit, dann war das ok. Aber dieselbe Band die sich damals nichts überleget und aus dem Bauch heraus gemacht hat, kann heute ein blödes Plagiat sein - weil heute dann Funk Metal aktuell ist und dann machen sie das eben nach. Für mich ist das ein Fehler. Man sollte sich mehr überlegen aus welcher Gegend man kommt, ich meine das jetzt nicht patriotisch, ich hab dann angefangen so Krautrock Sachen anzuhören, weil ich gemerkt habe da sind Sachen in der Musik bei uns drin die an das erinnern. Mich hat das interessiert weil das auch irgendwie der erste Versuch war von so einer eigenständigen deutschen Rockmusik ob das jetzt bewußt war will ich auch mal in Frage stellen, aber es war der Versuch. Was wichtig für mich und auch die anderen ist das wir keine amerikanische und auch keine englische Indieband sein wollen. Wir wollen eine Band sein wo man auch hört wo wir herkommen.

TRUST: Habt ihr als Band Ansprüche oder eine Message die ihr als Band geschlossen vertreten könnt?

ANDREAS: Es gibt eine gemeinsame Meinung die auch wirklich stark ist und zwar was die ökonomische Seite des ganzen angeht. Wir sind bewußt unabhängig, da lachen die Leute zwar mittlerweile auch schon wieder drüber...

TRUST: ...weil ihr den Marktmechanismen ausgesetzt seid...

ANDREAS: ...nein, aber wirklich überhaupt nicht.

TRUST: Oder wenn ich kurz zwischenfragen darf: Unter eher so einem moralischen Aspekt oder nur weil ihr die Musik freihalten wollt von Fremdeinflüßen.

ANDREAS: Moralische Aspekte, bzw. politische denke ich auch. Politisch heißt immer persönlich, also nicht...

TRUST: ...geht also schon über einen rein kreativen künstlerischen Anspruch hinaus.

Beide: Ja

ANDREAS: Ich denke da sind wir uns einig, wir spielen gern in besetzten Häusern und das ist uns schon klar was das heißt.

TRUST: Ihr wollt also bewußt - das meine ich jetzt nicht abwertend - auf so einem Hobby Level bleiben.

ANDREAS: Also das mit dem Hobby Level ist so ne Frage was für Ansprüche man hat, aber wir lassen uns in keinster Weise irgendwie prostituieren oder irgendwelche Kompromisse machen. Wir hatten ein Angebot auf einem Parteitag der Grünen zu spielen, haben wir auch abgelehnt, so Sachen werden wir auch weiterhin ablehnen auch wenn man dafür viel Kohle bekommen kann.

TRUST: Und wie ist das dann, um zur eigendlichen Musik zurückzukommen, wird das dann so sein das SHARON TATE'S CHILDREN immer bei der Instrumentierung bleiben wird, als Charaktiristikum 'Wir sind die Band mit dem Bass, der Orgel und dem Schlagzeug', oder kann das sein das sich da, wenn euch danach ist, was ändert.

CAROLINE: Also das würde ich schon so sagen das es nicht immer so bleiben muß...

TRUST: ...ihr wollt es also nicht zu eurem Markenzeichen machen.

CAROLINE: Wir werden jetzt nicht hergehen und uns überlegen ob man vielleicht dies oder jenes dazunimmt und dann jemand speziell dafür suchen, aber vielleicht treffen wir einfach mal jemanden.

TRUST: Das ist also einfach offen, keine Pläne, ihr seht einfach was passiert. Wie ist das mit den Texten, wer schreibt die, mir sind die bei der LP damals angenehm aufgefallen.

ANDREAS: Die habe ich geschrieben.

TRUST: Und wie entstehen die, versuchst du die Texte nach den Stücken zu schreiben?

ANDREAS: Meistens schreibe ich sie nach den Stücken, aber es ergibt sich so das ich während wir die Lieder machen Einfälle habe, die ich dann später versuche umzusetzen. Es ist so das, damit kommen wir wieder zurück zu dem was ich vorher sagte, ich versuche auch irgendwelche Sachen, jetzt rein mal von der Form her, jetzt auf der Single, melodisch aufzugreifen. Nämlich z.B. schlechtes Englisch. Wir sind ja Deutsche, singen aber in Englisch, im Endeffekt ist das eine Art Wiederspruch. Der Wiederspruch beginnt für mich eigendlich schon da warum wir Musik machen, weil Rockmusik ist ja auch ein angloamerikanisches Ding und deshalb ist es für mich wiederum ok englisch zu singen - aber wir haben immer deutsche Übersetzungen bei unseren Platten dabei, das ist auch wichtig. Bei der Single gibt's dann so Formulierungen wo ich so deutsch-englische Formulierungen ironisier. Nicht falsch, aber man könnte es falsch lesen oder man könnte es im ersten Moment falsch hören.

TRUST: Führt das manchmal zu Mißverständnissen seitens des Hörers?

ANDREAS: Eher wird Ironie zwischen den Liedern manchmal falsch interpretiert, weil die Leute es eben nicht blicken. Da sag ich dann so Sachen wie '3-fach CD' und alle glotzen dich an und nach dem Konzert fragt dann jemand danach. Was wichtig ist zu sagen, muß man ja immer im Interview sagen, ich hab jetzt grad ein Label gegründet mit einem Stuttgarter Konzertveranstalter, am Anfang waren wir mehr Bands, zum Schluß sind's weniger geworden bis dann zum Schluß nur noch Ralf und ich übrig waren, wobei es jetzt wieder gewachsen ist. Die Idee ist natürlich dieselbe die wir bei der Musik auch haben, die Kontrolle über das zu haben was man tut.

TRUST: Wie ist überhaupt dieses ganze Netzwerk verbunden, mit 42 Records und Better Gig Organisation, Skuld Releases und so. ANDREAS: Mit Skuld sind wir nur befreundet, die machen unsere Repros und das auch sehr günstig. TRUST: Mehr so eine Art 'community' wo der eine dem anderen hilft.

ANDREAS: Also 42 Rec. und Better Gigs das deckt sich ja dann im Endeffekt, es gibt keine Chefs, es gibt Leute die sich mehr für das Label interessieren und die machen das dann auch. Wir haben zur Zeit auf dem Label: Soulcharge, Sway Skid - da spielt unser Schlagzeuger auch mit - den Harry Coltello und wir. Wir kennen uns schon alle untereinander und spielen auch miteinander. Ich wohn mit dem Bassisten von Soulcharge zusammen, des deckt sich dann.

TRUST: Wie war das mit dem Coltello, ihr habt ne Vorlesung von dem veranstaltet, oder wie war das?

ANDREAS: Des war ich, aber wir haben Coltello auf einem Festival kennengelernt und haben uns da angefreundet, dann hab ich für den Harry des gemacht, so ne Lesung und noch verschiedene andere Sachen. Dann hat Harry eben jemand gesucht für eine Platte, die haben dann wieder ein Freund von mir und ich finanziert. Das ist eh so ein Grundsatz bei uns das jeweils die Hälfte vom Label bezahlt wird und die andere von der Band. Das den Bands zum Beispiel die Studiokosten finanziert werden, außer bei SHARON TATES, die tragen alles selber.

TRUST: Wie wart ihr den so mit eurer Mini-LP zufrieden?

CAROLINE: Also ich würd auf jeden Fall sagen das wir damit einigermaßen zufrieden sind, aber es ist in jedem Fall auch so das es auch viele Sachen gibt wo wir es auf jeden Fall anders machen würden. Das kommt daher das wir Laien sind, das war zum ersten Mal das wir im Studio waren. Du läßt dir auch viele Sachen sagen wo du hinterher denkst, hätte man doch anders machen können, das ist aber ganz normal glaub ich.

TRUST: Ist die Single dann extra aufgenommen worden oder bei der gleichen Session wie die LP?

CAROLINE: Ne, das war ein Jahr später und auch in einem anderen Studio, mit dem neuen Schlagzeuger. Das war dann auch ne ziemlich zügige Sache, wir haben da alles innerhalb von einem Tag eingespielt und abgemischt.

ANDREAS: Aber wir haben auch schon Fortschritte gemacht, jedesmal wenn wir wieder ins Studio gehen lernen wir wieder was. Wir wußten bei der Single dann auch schon mehr worauf es ankommt, haben uns auch besser vorbereitet. Mit der Single kann ich mich jetzt mehr identifizieren als mit der Mini LP, liegt aber einfach daran weils weiter weg ist.

TRUST: Wie war denn die Reaktion, oder habt ihr Verkaufszahlen?

ANDREAS: Von der Mini LP haben wir 500 Stück verkauft. TRUST: Hattet ihr einen Vertrieb?

CAROLINE: Also wir hatten einen Vertrieb am Anfang, Fire Engine. Die hatten am Anfang 200 Platten genommen, als wir dann keine mehr hatten haben wir bei ihnen nachgefragt, da hatten die 60 verkauft und wir haben den Rest wieder zurückgenommen und selber verkauft, was für uns natürlich auch günstiger ist.

TRUST: Wie kam denn die Tour zustande?

CAROLINE: Das war so das der Erich ein Jahr davor für zwei englische Bands in Deutschland eine Tour organisiert hat. Dann haben irgendwann Herb Garden angerufen ob er nicht auch Lust hätte für sie auch ne Tour zu machen, er hat das dann getan und wir waren dann eben mit dabei. (Hier kommt es dann zu einem kleinen Mißverständnis, da sich die Frage eigentlich auf die England Tour bezog, da lief es aber ähnlich, befreundete Bands haben die gigs organisiert).

TRUST: Dann habt ihr in erster Linie in alternativen Läden gespielt?

CAROLINE: Da waren Kneipen dabei oder auch mal so ne Art Disco.

TRUST: Was waren so eure Eindrücke von England?

ANDREAS: Da kommen wir direkt in den Bereich der Anekdoten, es war eine verrückte Tour muß man sagen, wir sind in einer Woche 5000 km gefahren, wir waren zum Schluß alle krank und fertig.

TRUST: Würdet ihr das nochmal machen?

CAROLINE: So in der Form wohl nicht, aber prizipell ist das Puplikum in England schon ziemlich übersättigt wenn du da als deutsche unbekannte Band hinkommst bist du erstmal relativ uninteressant.

TRUST: Gibt es also keinen Exotenbonus oder so.

CAROLINE: Nein, würde ich eigendlich nicht sagen, da war's halt so, grad in Schottland, da war eh ein Festival wo die Leute eh hingegangen sind. Ansonsten haben wir immer mit anderen Bands zusammen gespielt, da wars dann auch voll. Das ist eh das beste sich einer Band anzuschließen, da kommt dann wegen der einen Band Publikum und die lernen dann die andere Band auch gleich kennen. Anders haste da wohl nicht so viele Chancen.

ANDREAS: Und wegen dem Exotenbonus, das war dann eher so 'die kommen aus Deutschland, die können ja nicht spielen'.

CAROLINE: Wir haben auch gute Erfahrungen gemacht, wir hatten einmal zwei Tage frei und sind da auf so ein Festival gefahren, einfach so, und nach einigem Gerede konnten wir dann auch einfach so spielen und den Leuten hat's gefallen, die waren sogar überrascht.

TRUST: Wechseln wir mal das Thema, was macht ihr wenn ihr nicht in der Band spielt?

CAROLINE: Ich mache mit ein paar Leuten Kneipe in Stuttgart, das Casino, ist ein Kollektiv.

ANDREAS: Ich mache gerade Zivildienst, davor hab ich mein Anerkennungspraktikum in einer psychiatrischen Kinderklinik gemacht. CAROLINE: Die anderen beiden halten sich mit Jobs über Wasser.

TRUST: Wie seht ihr die generelle Kneipen / Konzert Lage in Stuttgart, ich hab so den Eindruck das die Leute irgendwie gelangweilt sind und sich eher zurückziehen...

CAROLINE: Ja, finde ich eigentlich schon.

ANDREAS: Ich weiß nicht was die Kneipen angeht, was Konzerte angeht muß man einfach sagen das es eh ne Konzertschwemme hat und zuviele amerikanische Bands spielen und die Leute gehen eigendlich lieber zu ner amerikanischen Band als zu ner deutschen, da hat sich dann schon irgendwie eine Übersättigung ergeben. Wir haben auch in letzter Zeit gute Erfahrungen gemacht, wir haben neue Sachen gemacht. Ein Freund von uns ist zum Beispiel DJ und wir haben ein Konzert im besetzten Haus in der Schwabstr. - da ist jetzt ein Haus besetzt, vielleicht wenn die Nummer raus ist schon wieder nicht mehr - da haben wir eben ein Konzert gemacht wo nur wir gespielt haben und danach hat er Techno aufgelegt und das super funktioniert.

TRUST: Wie ist denn das, alle Leute reden immer von der Ami-Schwemme und das alle Leute nur zu Ami Bands gehen, wir haben uns ja vorhin unterhalten das alles irgendwie zusammenhängt, in dem Fall Better Gig Organisation - ist denn da kein Bestreben von Seiten der Veranstalter da, das ganze mal zu ändern.

ANDREAS: Ich hab mich da grad mit dem Ralf (B.G.O.) darüber unterhalten, also ich finde das ändert sich gerade; wegen der Geld Geschichte, also da haben die deutschen Bands schon auch teil dran, denn das Geld das mit den Ami Bands verdient wird fließt wieder zu den deutschen Bands zurück, in diesem Fall da es eben wieder ins Label (42 Rec.) gesteckt wird, das finde ich eigendlich schon sehr positiv. Das wurde aber von ihm schon auch so gesehen das man mit den deutschen Bands zuwenig macht, es wird auch mehr gemacht in die Richtung. Gestern war zum Beispiel ein Konzert mit Erosion...

TRUST: ...war voll für'n Arsch von der Besucherzahl her gesehen.

ANDREAS: Ja ich weiß...

TRUST: Das Argument das du bringst ist zwar richtig, das das Geld auch wieder an die deutschen Bands zurückfließt. Nur frag ich mich dann wo da der Sinn ist wenn das Geld zwar an die deutsche Band zurückfließt und die dann von mir aus eine Platte aufnehmen können, die dann, übertrieben gesagt, niemand kauft weil es ja eh nur ne deutsche Band ist. Das Geld geht zwar an die deutsche Band, nur kann die deutsche Band nichts damit anfangen weil sie sich kein Publikum erschließen kann, weil sie keine Konzerte bekommt und infolgedessen auch niemend ihre Platten kauft. Also irgendwie hängt das doch.

ANDREAS: Better Gigs zum Beispiel läßt immer oder zumindest oft lokale Bands mit den Ami Bands zusammenspielen, da gibt man den Bands schon ne Plattform damit sie spielen können, die werden auch ok behandelt - anständige Gage usw. Grundsätzlich ist es schon ein Problem mit diesem Amerika Boom, ich meine wir ziehen in Stuttgart auch ohne Ami Band einigermaßen, aber wir sind halt auch schon länger dabei. Das ist dann aber eben bei uns als Band wieder anders, wir sind halt Exoten, wir sind was besonderes, ob wir wollen oder nicht. Wir haben ne Orgel und wir klingen nicht wie jede x-beliebige Ami HC Band. Ich denke das ist auch noch ein Problem der deutschen Hardcoreszene, das Bands sehr orginell sein müßen um dem deutschen Publikum zu genühen, weil Leute dann eben sagen, 'Kennen wir ja aus Amerika' und die Leute bewegen sich ja oft viel mehr auf der Bühne - der kann auch den größten Scheiß da auf der Bühne labern, aber die Leute finden's dann halt prima.

TRUST: Was gäbe es denn sonst noch zu sagen.

ANDREAS: Vielleicht sollte man den Leuten mal sagen das sie mehr Techno hören sollten, weil es da zur Zeit unheimlich viele gute Platten gibt.

TRUST: Weil du jetzt ne ganz andere Musikrichtung nennst, glaubst du das sich alles noch mehr öffnen wird, zumindest für die Leute die über den Tellerrand hinaussehen?

CAROLIN: Mit Techno gehts mir eigendlich schon grad so das ich das Gefühl habe das sich das vermischt, das sich andere Leute für Techno interessieren - da war ich dann des öfteren auch erstaunt wer sich das alles anhört. Denn es ist ja meistens so - die Musik für die Leute und die Musik für die anderen, alles andere hört man nicht oder geht auch nicht hin.

TRUST: Ist das ein Problem für ne Band wie SHARON TATE'S CHILDREN, die ja dann doch nicht klar in eine Schublade zu legen ist.

CAROLINE: Also es ist schon ein Problem, aber wir machen das dann so das die Leute die das Konzert machen ein Demo tape bekommen und die sollen sich halt was einfallen lassen.

ANDREAS: Also mit der Vermischung von Musikstilen, ich denke ne Offenheit ist grundsätzlich gut. Das ist auch bei unserer Musik wichtig, wir sind offen für alle verschiedenen Arten, aber im Endeffekt, das was wir machen und wie wir's machen da sind wir ne Punk oder Hardcore Band, egal was für ein Edikett du wilst. Für mich ist Hardcore halt auch nichts anderes als Punk, halt bloß ohne das ganze Syph Ding, es ist nur ein Name. Das Problem was sich ergeben wird mit dieser Öffnung, das gute wird sein das neue Sachen kommen und es sich vermischen wird und das negative wird sein, für mich persönlich jetzt, es passiert ne Beliebigkeit. So ne Art Multikulturelles Straßenfest, nur weil ich nen Dörner Kebab fress versteh ich die türkische Kultur noch nicht. Genauso ist es eigentlich mit Funk...

TRUST: Versteh ich das richtig, du meinst die Leute erschließen sich den Background der Musik nicht mehr so wie früher.

ANDREAS: Ich bin ziemlich großer Soul Fan, ich hör unheimlich gerne Soul und dadurch hab ich mir auch die schwarze Tanzmusik erschlossen. Für mich sind diese ganzen Funk-Metal Bands einfach ein Graus, die meisten auf jeden Fall. Das sind Metal Bands die 'nen Slap Bass dabei haben, aber die haben Funk in seiner Idee nicht begriffen, die haben die Entspanntheit, die Lockerheit die in der Musik da ist nicht, die spielen verkrampft und hektisch und damit anstrengend. Das ist das Problem, nämlich diese Beliebigkeit, das man sich einfach... das hab ich schon zuvor gesagt, man muß sich überlegen woher man kommt, und was man will. Das geht los ob wir ne Hardcore Band sind, und wenn Hardcore ein Musikstil ist, dann sind wir keine Hardcoreband, aber wenn Hardcore eine bestimmte Haltung und nicht nur der Musik gegenüber ist dann sind wir ganz klar ne Harcoreband. Dann stehen wir auch dazu und wir fühlen uns dann auch der Hardcorezene zugehörig, das ist die Szene auf die wir uns beziehen.

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