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    Yamaha DT 125    
 

 

in den gängigen Hit-Listen ganz nach vorne zu gelangen, war mein Plan dieses Mal ein anderer. Hits der 70er, 80er und 90er schienen mir beim Großteil der Radio hörenden Massen gut anzukommen. Daran wollte ich mir nun ein Beispiel nehmen und ebenfalls "Hits der 70er, 80er und 90er" zu Papier bringen. Ob dies gelang, müssen die werte Hörerin und der werte Hörer entscheiden. Ich für meinen Teil bin der Überzeugung, dass zumindest die Richtung stimmt und mir hoffentlich bald die schweren, eisenbeschlagenen Türen der Radio- und Fernsehstationen weit offen stehen werden. Seit langem wünsche ich mir nichts sehnlicher, als endlich diese zu durchschreiten, um von jungen adrett gekleideten Moderatorinnen mittels gezielter und in die Tiefe gehender Fragen dazu angeregt zu werden, meine persönlichen Ansichten zum Zeitgeschehen auch einer breiten Öffentlichkeit kund tun zu können.
Einen Wermutstropfen im gedanklichen Gefüge meiner Vorgehensweise gibt es allerdings: Die Plattenindustrie befindet sich in einer bedauerlichen Krise; was zur Folge hat, dass ich meine finanziellen Vorstellungen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Albums - aller Wahrscheinlichkeit nach – nach unten zu korrigieren gezwungen sein werde. Macht aber nix! Schlussendlich gibt es auch noch Wichtigeres auf der Welt als Geld. Wohlstand zum Beispiel, tolle Klamotten, schnelle Autos und so weiter.
Ausserdem existieren noch andere Organisationen zum Wohle des Künstlers. Nehmen wir zum Beispiel die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Verfielfältigungsrechte, welche seit Jahren für die Verteilung unglaublicher Geldsummen von unten nach oben sorgt. Oben angekommen ist sie dann folglich ein unentbehrlicher Partner in Sachen Big Business und Altersvorsorge. Doch zurück zu den Aufnahmen. Auf Grund harscher Kritik von verschiedenen Seiten bezüglich der Veröffentlichung der CD "Zur Lage im Wetterstein", die Instrumentierung betreffend, entschloss ich mich, die fertig gestellten Partituren zu "Im tiefen Tal der Willenlosen" zu erweitern. So hoffe ich, den Hörgewohnheiten des interessierten Publikums entgegen zu kommen. Alle hinzu gefügten Instrumente wie E-Piano, E-Bass, E-Orgel, E-Vibraphon usw. wurden von mir persönlich eingespielt. Aus gewerkschaftlicher Sicht sicherlich ein Fehler; jedoch aus budget-technischen Gründen nicht anders zu bewerkstelligen. Des Weiteren, und dies ein Novum, erklingt meine Stimme in der Komposition "Jammertal". Nur so war es mir möglich, auch textlich mein Wollen und Fühlen zum Ausdruck zu bringen.
Zu guter Letzt bleibt zu hoffen, dass diese Worte und natürlich die Musik den Verantwortlichen der marktführenden Konzerne zu Augen beziehungsweise in die Ohren kommt und diese veranlasst, mich begeistert in den erlauchten Kreis der ganz Großen aufzunehmen.

Berlin, im April 2004

 

Yamaha DT 125

Eines Morgens bekam ich von Charly einen Spezialauftrag zugewiesen. Das Versorgungsfahrzeug, welches dazu diente, die Waren des täglichen Bedarfs über holprige Forstwege hinweg zum Umschlagplatz zu transportieren, war reparaturbedürftig. Bei Linkskurven war ein merkwürdiges Geräusch zu vernehmen. Nun, da nur vier Hubschrauberversorgungsflüge pro Saison möglich sind, und alle übrigen Güter zunächst mit dem Auto bis zu besagtem Umschlagplatz und von dort mit dem Motorrad einen Gebirgspfad entlang bis zur Hütte transportiert werden müssen, lag die Dringlichkeit meines Auftrags auf der Hand.
Zunächst hatte ich etwa eineinhalb Stunden Weges zu Fuß zu bewältigen, und noch eine weitere Stunde mit dem geschundenen Gefährt über, mit der Kirche ums Dorf führende Waldwege bis nach Garmisch-Partenkirchen zur Werkstatt.
Die Ansage war: Auto an den Mechaniker übergeben, einige Kleinaufträge in der Stadt erledigen, dann mich zu einem geheimen Ort in der Nähe vom `Lenzn‘ Wirt´ begeben und die dort abgestellte Maschine, eine Yamaha DT 125, direktemang zum Umschlagplatz zu überstellen, 10 Kilo dort gelagerte Butter in den Rucksack packen und die eineinhalb Stunden via Bockhütte wieder zu Fuß zurück zu legen.
Es war ein unwahrscheinlich heißer Tag, und als ich endlich beim `Lenzn‘ Wirt´ eintraf, war ich bereits schweißgebadet. Schon viele Jahre lang war ich auf keinem Motorrad mehr gesessen, machte mich folglich zunächst mit den vielen am Fahrzeug angebrachten Hebeln vertraut. Aha, Kickstarter, Handbremse, Kupplung, Schaltung – wie war das noch Mal? – ach ja, erster Gang nach unten. Nach mehreren Versuchen gelang es mir dann, die Maschine zu starten und los ging’s. Zunächst einen steilen Anstieg empor, hinauf zur Partnachalm, dann weiter, über verschlungene Pfade in Richtung wartende Butter.
Was ich bei der Entgegennahme meines Auftrags nicht bedacht hatte: ich fand einen unglaublichen Gefallen daran, auf diesem motorisierten Zweirad die Forstwege entlang zu jagen. Sollte der Spaß schon am Umschlagplatz sein jähes Ende finden? Nein, beschloss ich, während ich im Rausche der Geschwindigkeit, erfüllt von Freude, so dahin brauste.
Wie gesagt, es war sehr heiß an diesem Tage und diese Tatsache fügte ich in meine Argumentationskette, mit welcher ich mein nun folgendes Vorgehen Charly gegenüber begründen wollte. Am Umschlagplatz packte ich, wie angeiwesen, die Butter in den Rucksack, setzte meinen Weg aber nicht zu Fuß fort – die Butter wäre mit Sicherheit versoßt – sondern schwang mich wieder auf die DT 125 und stob davon.
Nun war es so, daß die vor mir liegende Strecke nur von geübten Fehrern bewältigt werden kann, und ein solcher war ich wahrlich nicht. So überkam mich ein leiser Schauer, als ich, bereits die ersten Hindernisse bewältigend, die wirklich schwierigen Passagen, die da noch kommen sollten, vor meinem geistigen Auge Revue passieren ließ.
Jedoch, alles lief wie am Schnürchen. Vorüber an der Bockhütte, die dort beginnende Gerade quasi volley genommen, den mit Steinen übersäten Hohlweg zur Blauen Gumpe bravorös gemeistert, selbst den mit Eisenplatten versehenen Stich, der wohl schwierigsten Stelle zwischen Gumpe und Hütte, im zweiten Anlauf bezwungen, war ich gedanklich schon am Ziel, als ich an einem eher unbedeutenden Anstieg den Motor abwürgte.
Da stand ich nun – mitten im Hang. Der Schweiß rann in Strömen. Hilflos war ich nur darauf bedacht, nicht umzukippen. Dahin der Traum von der glorreichen Heimkehr und die daraus resultierende Aufnahme in die Reihe der Bezwinger der Route.
Da, aus heiterem Himmel tauchte ein Mountainbiker vor mir auf. Auf mein flehentliches Bitten hin, half er mir das Gefährt zu einer halbwegs ebenen Stelle zu schieben und entschwand genauso schnell wie er gekommen war. Ich schöpfte wieder neuen Mut, noch war also nichts verloren. Ich unternahm einen neuen Versuch, die Maschine wieder zum Laufen zu bringen, was mir dummerweise nicht gelang. Nach etwa 15-20 Fehlschlägen, schon in Wut den Kickstarter betätigend, hatte selbiger genug und brach einfach ab. Was für ein Jammer – das war das Ende.
Allerdings war keine Zeit zum Lamentieren. Um die zuvor mühsam zusammengefügte Argumentationskette nicht ad absurdum zu führen, musste ich sofort los laufen, der Butter wegen. Das Motorrad ließ ich zurück, eine Gefahr, jedwelcher Art, bestand für selbiges nicht.
Für mich war der Tag gelaufen, und ich unternahm bis zum heutigen Tage keinen weiteren Versuch mehr, die Strecke per Motorrad zu bezwingen.

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